Das Physikertheater präsentiert: Meister und Margarita

02.11.2018 19:30

AUFFÜHRUNGEN AM 27.10., 2.11. UND 3.11. JEWEILS UM 19:30 UHR IM GAEDE-HÖRSAAL
Höllenfürst, Beelzebub, Mephistopheles, Satan – für den Teufel kennt der Mensch viele Synonyme und Bezeichnungen. Doch Benennen und Erkennen sind zwei verschiedene Paar Schuhe für Moskaus Bürger, als sich ihnen eines warmen Frühlingsnachmittags ein Ausländer als „Voland – Professor für schwarze Magie“ vorstellt. Dieser stellt, nur etwa zwanzig Jahre nach der großen sozialistischen Oktoberrevolution, dem Neuen Menschen die entscheidende Frage – hat er sich wirklich verändert? Ist er tugendhafter, weniger selbstsüchtig als zu der Zeit als er sich noch vor solchen Mächten fürchtete? Unter all denen, die er seiner unerbittlichen Charakterprüfung unterwirft sticht nur der namenlose „Meister“ und seine Geliebte Margarita heraus. Ein Schriftsteller, der seinen Lebenstraum, einen Roman über Pontius Pilatus zu schreiben, von der linientreuen Kulturnomenklatura so gründlich zerstört bekommt, dass er daran geisteskrank wird.
Bulgakow (1891-1940) selbst hat sein Opus Magnum Zeit seines Lebens nicht veröffentlicht. Wie auch zu einer Zeit, als die Bedrohung ganz irdisch aus dem Kreml anstatt der Hölle kam. Das real-existierende Fegefeuer der stalinistischen Paranoia mit seinen Schauprozessen, Hetzartikeln, Gulags und Massenerschießungen auf der einen und laut-tönender Erlösungspropaganda auf der anderen Seite machte es, Kunstschaffenden im Besonderen, unmöglich frei zu atmen. Wer mag es Bulgakow da verdenken, sein Heil bei den höllischen Mächten zu suchen, die in einer eskapistischen Phantasie all die neu-roten Heuchler und prinzipienlosen Parteigänger, die ihm das Leben zur Hölle machten, tüchtig aufmischt. Gerechtigkeit, wenn auch nur im Geiste. Im realen Leben brüstete sich Stalin selbst damit, ihn gründlich gebrochen zu haben „Ich habe sogar Bulgakow dazu gebracht, für uns zu arbeiten.“. Wenn er nur gewusst hätte.